Auf ein Wort


‍Beten ‍Sie ‍eigentlich ‍auch ‍privat?“ ‍– ‍unter ‍diesem ‍Titel ‍hat ‍der ‍Kirchenkreis ‍Herford ‍anlässlich ‍seines ‍200-jährigen ‍Bestehens ‍ein ‍interessantes ‍Buch ‍herausgebracht: ‍Neben ‍Luftbildaufnahmen ‍aller ‍Kirchen ‍und ‍Gemeindezentren ‍des ‍Kirchenkreises ‍finden ‍sich ‍dort ‍kurze ‍Statements ‍von ‍Menschen ‍aus ‍dem ‍Kirchenkreis ‍zu ‍der ‍Titelfrage. ‍Zu ‍Wort ‍kommen ‍Menschen ‍aus ‍unserer ‍Region, ‍die ‍in ‍ihrem ‍Leben ‍Erfahrungen ‍mit ‍dem ‍Gebet ‍oder ‍mit ‍Kirche ‍gemacht ‍haben: ‍Sie ‍erzählen ‍zum ‍Beispiel, ‍wie ‍sie ‍im ‍Gebet ‍Kraft ‍in ‍schweren ‍Zeiten ‍gefunden ‍haben ‍oder ‍dass ‍es ‍irgendwann ‍in ‍der ‍Biographie ‍einen ‍Punkt ‍gab, ‍an ‍dem ‍Kirche ‍für ‍sie ‍wichtig ‍geworden ‍ist.


‍Das ‍Buch ‍will ‍den ‍Blick ‍auf ‍unsere ‍Kirchen ‍und ‍die ‍Menschen ‍lenken, ‍die ‍sie ‍mit ‍Leben ‍erfüllen. ‍Kirchen ‍sind ‍Orte, ‍an ‍denen ‍Menschen ‍sich ‍seit ‍vielen ‍Generationen ‍versammeln ‍und ‍Gemeinschaft ‍erfahren. ‍Orte ‍der ‍Stille ‍und ‍Besinnung, ‍Oasen ‍in ‍der ‍Hektik ‍unserer ‍Zeit. ‍Und ‍Orte ‍des ‍Gebets ‍und ‍der ‍Zwiesprache ‍mit ‍Gott.


‍Wobei ‍Gebet ‍nicht ‍immer ‍nur ‍Reden ‍bedeuten ‍muss. ‍Der ‍dänische ‍Philosoph ‍Sören ‍Kierkegaard ‍(1813-1855) ‍schreibt: ‍„Als ‍mein ‍Gebet ‍immer ‍andächtiger ‍und ‍innerlicher ‍wurde, ‍da ‍hatte ‍ich ‍immer ‍weniger ‍und ‍weniger ‍zu ‍sagen. ‍Zuletzt ‍wurde ‍ich ‍ganz ‍still. ‍Ich ‍wurde, ‍was ‍womöglich ‍noch ‍ein ‍größerer ‍Gegensatz ‍zum ‍Reden ‍ist, ‍ich ‍wurde ‍ein ‍Hörer. ‍Ich ‍meinte ‍erst, ‍Beten ‍sei ‍Reden. ‍Ich ‍lernte ‍aber, ‍dass ‍Beten ‍nicht ‍bloß ‍Schweigen ‍ist, ‍sondern ‍hören. ‍So ‍ist ‍es: ‍Beten ‍heißt ‍nicht ‍sich ‍selbst ‍reden ‍hören. ‍Beten ‍heißt: ‍Still ‍werden ‍und ‍warten, ‍bis ‍der ‍Betende ‍Gott ‍hört.“


‍Gebet ‍bedeutet, ‍sich ‍immer ‍wieder ‍der ‍Nähe ‍Gottes ‍bewusst ‍zu ‍werden. ‍Das ‍funktioniert ‍etwa ‍so, ‍wie ‍bei ‍einem ‍Radio ‍einen ‍Sender ‍einzustellen: ‍erst ‍rauscht ‍es, ‍aber ‍dann ‍auf ‍einmal ‍hört ‍man ‍es ‍klar ‍und ‍deutlich. ‍Für ‍die ‍Feinjustierung ‍des ‍Senders ‍brauche ‍ich ‍allerdings ‍etwas ‍Zeit ‍und ‍Ruhe. ‍Erst ‍wenn ‍ich ‍mir ‍diese ‍Zeit ‍bewusst ‍nehme, ‍kann ‍ich ‍etwas ‍hören. ‍Vielleicht ‍geben ‍heute ‍viele ‍Menschen ‍zu ‍schnell ‍auf, ‍wenn ‍sie ‍nicht ‍sofort ‍einen ‍passenden ‍„Sender“ ‍finden. ‍Oder ‍sie ‍nehmen ‍nur ‍noch ‍das ‍„Rauschen“ ‍wahr. ‍Und ‍doch ‍sehnen ‍sie ‍sich ‍nach ‍Ruhe ‍und ‍guten ‍und ‍heilsamen ‍Worten.


‍Wie ‍wir ‍durch ‍Gebetsgebärden ‍zu ‍innerer ‍Ruhe ‍finden ‍können, ‍darum ‍soll ‍es ‍in ‍einem ‍Workshop ‍im ‍Oktober ‍unter ‍dem ‍Titel: ‍„Da ‍berühren ‍sich ‍Himmel ‍und ‍Erde“ ‍gehen ‍(siehe ‍S. ‍11) ‍Und ‍beim ‍Einstellen ‍unserer ‍Antennen ‍für ‍Gottes ‍Botschaft ‍soll ‍die ‍Churchnight ‍am ‍31. ‍Oktober ‍helfen: ‍„Talk ‍to ‍me“ ‍– ‍So ‍lautet ‍das ‍Thema ‍(siehe ‍Artikel ‍auf ‍S. ‍22 ‍im ‍Gemeindebrief). ‍Der ‍Titel ‍ist ‍bewusst ‍mehrdeutig: ‍„Sprich ‍zu ‍mir“ ‍– ‍das ‍kann ‍ein ‍Mensch ‍zum ‍anderen, ‍aber ‍auch ‍Gott ‍zum ‍Menschen ‍oder ‍der ‍Mensch ‍zu ‍Gott ‍sagen. ‍Entscheidend ‍dabei ‍ist: ‍Gott ‍spricht. ‍Auch ‍heute ‍noch. ‍Und ‍im ‍Unterschied ‍zu ‍uns ‍Menschen ‍spricht ‍er ‍immer ‍Worte ‍der ‍Liebe ‍und ‍Wertschätzung. ‍Vielleicht ‍sind ‍Sie ‍auch ‍dabei ‍und ‍hören ‍hin!


‍Einen ‍schönen ‍Herbst ‍wünscht ‍Ihnen ‍und ‍Ihrer ‍Familie

‍    Ihre ‍Pfarrerin ‍Simone ‍Rasch